Die Fraueninitiative “Icyerekezo” – Frauen mit Vision

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Icyerekezo ist eine der Frauenkooperativen, die gemeinschaftlich den Kaffee anbauen, der später zu Angelique’s Finest verarbeitet wird. Unsere Mitarbeiterin Charlotte hat sie zusammen mit ihrer Übersetzerin Josiane besucht. Der erste Weg führt sie zum Büro der Kooperative in Karambi. Dort warten bereits vier Bäuerinnen auf die beiden: Katharina Mukaremera, Vestine Usabyeneza, Daphrose Mukanyarwaya und Esther Kabera. Sie sind zwischen 26 und 68 Jahre alt, alle äußerst schick, in bunten Kitenge-Gewändern, gekleidet und mit einem schüchternen Lächeln auf den Lippen.

Vestine, Esther, Daphrose und Katharina (v.l.n.r.) – vier Mitglieder der Gruppe Icyerekezo, Foto: Charlotte Lonitz

Das anfängliche Eis ist jedoch schnell gebrochen, nachdem ich von mir und meiner Familie erzähle und warum ich da bin. Auch sie beginnen voller Elan von sich, ihren Familien und ihrem Kaffeeanbau zu berichten. Während Daphrose, die älteste in der Runde, bereits seit 35 Jahren Kaffee anbaut, ist Esther erst seit Kurzem dabei und hat vier Kinder zwischen zwei und 15 Jahren. Sie alle sind Teil der Frauengruppe “Icyerekezo”, einer von mehreren lokalen Frauengruppen der Kooperative. Was das heißt, möchte ich wissen. “Vision”, antwortet Esther, “denn unsere Vision ist es, durch den Kaffee als starke Frauen zu wachsen und unsere Kaffeeproduktion so weit auszubauen, dass wir sogar davon leben können, wenn wir uns zur Ruhe gesetzt haben”, ergänzt Esther. Die anderen stimmen lachend zu. Auf meine Frage, was denn starke, empowerte Frauen seien, überlegen sie kurz und schließlich sagt Daphrose: “Weißt du, als ich jung war, hatten Frauen kaum Mitspracherecht und sollten hauptsächlich zuhause bleiben und sich um den Haushalt und die Kinder kümmern. Heute hingegen besitzen wir unser eigenes Land, unsere eigenen Kaffeesträucher, haben ein eigenes Einkommen und können sogar gewählt werden! Das ist Empowerment für mich.”

Vestine stolz zwischen den Kaffeesträuchern, die nun ihr gehören, nachdem ihr Mann sie auf sie übertragen hat, Foto: Charlotte Lonitz

Mehr Selbstvertrauen durch mehr Verantwortung

Auch der Kaffeeanbau und -verkauf sei früher vor allem Männersache gewesen. Sie hätten ihre Ehemänner bei der harten Arbeit auf dem Feld unterstützt, aber selbst nicht allzu viel über Kaffee gewusst. Seitdem es das Frauenkaffee-Projekt und die Frauengruppen gibt, sind sie selbst viel aktiver in die Kaffeeproduktion und die Kooperative involviert, erzählen sie. Vestine berichtet beispielsweise, dass sie ihren Mann fragte, ob er nicht 300 Kaffeesträucher auf sie überschreiben und in ihre Obhut geben könne, als sie sah, wie sich andere Frauen organisierten und ihren eigenen Kaffee herstellten. Er willigte ein. Später bei einem Besuch bei ihr zuhause sagt er zu mir: “Seitdem sie ihren eigenen Kaffee anbaut und eine der Leiterinnen der Frauengruppe geworden ist, ist sie viel selbstbewusster und offener als zuvor und übernimmt viel Verantwortung.” 

“Frauen sind in unserer Gesellschaft die Initiatorinnen: wir kümmern uns um die gesamte Familie und Beziehungen. Von der Qualität der Frau hängt die Qualität der Familie ab – und die des Kaffees.”

An Selbstvertrauen mangelt es den Bäuerinnen heute auf jeden Fall nicht: auf meine Frage, was an ihrem Kaffee anders sei, antworten sie selbstbewusst: “Alles was von Frauen getan wird, ist dafür bekannt, langlebig und von guter Qualität zu sein. Wir passen besser auf unseren Kaffee auf, sind leidenschaftlicher bei der Sache und haben mehr Geduld, Fingerspitzengefühl und ein besseres Auge für’s Detail. Deshalb ist unser Frauenkaffee so gut.”

Foto: Charlotte Lonitz

Katharina berichtet, die 120 Kaffeebäume, die sie besitzt, würden immer viel mehr und bessere Ernte abwerfen als die Sträucher ihres Mannes. Die Zahlen geben ihr recht: Mit einer Produktivität von 5,75 kg Kirschen/Baum im letzten Jahr liegt sie weit über dem Kooperativendurchschnitt.

Katharinas Farm wurde als Field Farmer School, als Vorzeigefarm, ausgezeichnet, Foto: Charlotte Lonitz

Gegenseitige Unterstützung und Motivation

2017 wurde Icyerekezo innerhalb der Koakaka-Kooperative ins Leben gerufen. Zu Beginn waren es 27 Mitglieder, heute sind es doppelt so viele, da viele Bäuerinnen und Frauen von Kooperativenmitgliedern die Vorteile der Vernetzung in der Gruppe gesehen haben. Jedes Jahr setzen sie sich gemeinsame Ziele, sowohl persönliche, als auch Produktionsziele und unterstützen sich gegenseitig bei deren Umsetzung. “Wir helfen uns bei jeder Art von Problemen”, erklären sie, “egal ob finanzielle, emotionale, gesundheitliche oder Kaffee-bezogene Herausforderungen.” So wird sich gegenseitig bei der Ernte ausgeholfen, Geld geliehen, auf die Kinder der anderen aufgepasst, Rat bei Problemen mit den Kaffeepflanzen gegeben oder sich auch einfach nur über die Ehemänner, Kinder und Nachbarn ausgetauscht. Die Gruppe gibt Halt und dient als Motivator sowie Austauschplattform. 

Daphrose ist Leiterin von Icyerekezo, Foto: Charlotte Lonitz

Auch für Daphrose war und ist dies sehr wichtig. Sie verlor im Genozid ihren Mann und alle ihre Kinder. Die Kooperative, der Kaffee und die Frauengruppe haben ihr ein neues Leben geschenkt als sie dachte, alles sei vorbei, sagt sie. Sie ist die Leiterin der Frauengruppe, was sie mit viel Stolz und Dankbarkeit erfüllt. “Ich bin vielleicht alt, aber der Kaffee und der Kontakt zu jüngeren Frauen aus meiner Gruppe hält mich jung. So kann ich stark und positiv bleiben.”

Foto: Charlotte Lonitz

Gemeinsame Verantwortung

Mit Start der Fraueninitiative stellte KOAKAKA ihnen auch ein Stück Land mit 300 Kaffeebäumen zur Verfügungen, das sie nun gemeinschaftlich bestellen. Jeden Freitag treffen sich die Frauen dort, um zusammen zu arbeiten. Nach der Ernte erhalten sie entsprechend ihrer Arbeitszeit auf der Gemeinschaftsfarm Anteile an dem dort erwirtschafteten Erlös. Darüber hinaus haben sie ein Sparkonto angelegt, in das jede der Frauen monatlich einen kleinen Betrag einzahlt und dann rotierend immer eine Bäuerin einen gesammelten Betrag “abheben” darf. Davon leisten sie sich meist größere Anschaffungen wie neue Kaffeepflanzen oder den jährlichen Schulbeitrag, erzählen sie. 

Foto: Charlotte Lonitz

Eigenes Einkommen

Der Kaffee, den die Frauen ernten, wird separat vom restlichen Kaffee immer mittwochs an den Washing Stations angenommen und verarbeitet und später zusammen mit dem Kaffee aus anderen Frauenkooperativen zu Anglique’s Finest weiterverarbeitet. Dadurch haben die Bäuerinnen ein Einkommen, das direkt an sie ausgezahlt wird. “Früher erhielt mein Mann das ganze Einkommen und wir Frauen waren abhängig davon, was er uns gab”, erinnert sich Esther. “Heute erhalten wir durch den Frauenkaffee unser eigenes Geld und können entscheiden, wie und wofür wir es ausgeben. Wir planen den Haushalt unserer Familie nun gemeinschaftlich und ich nehme teil an den finanziellen Entscheidungen.”

Außerdem zahlen wir als Kaffeekoop GmbH für jedes verkaufte Kilogramm Angelique’s Finest Kaffee eine Prämie an Frauengruppen wie Icyerekezo, über die sie dann verfügen können, wie sie möchten. Die Damen von Icyerekezo beispielsweise würden gerne Tiere, vorzugsweise Schweine, und Materialien für kunsthandwerkliche Produkte wie Körbe, Handtaschen und Dekoration anschaffen. Diese möchten sie dann ähnlich wie ihre Kolleginnen von Rambagirakawa, die wir regelmäßig im Onlineshop anbieten, gemeinsam mit ihrem Frauenkaffee verkaufen. An Kreativität und Motivation fehlt es den Bäuerinnen also nicht. “Jetzt haben wir unseren eigenen Kaffee, unsere eigene Marke, was wir nun noch brauchen sind mehr Abnehmer. Wir können genügend guten Kaffee herstellen, aber wir müssen mehr von unserem Frauenkaffee verkaufen, um ausreichend Kapital zu haben, um weiter wachsen zu können.”

Bei diesem Unternehmen können Sie die Frauen von Icyerekezo unterstützen, indem Sie hier Angelique’s Finest, den einzigartigen ruandischen Kaffee ganz aus Frauenhand kaufen.

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