Angelique’s Finest und Investitionen: “Geld gibt Raum für Ideen”

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Wir haben die Abishyizehamwe-Frauengruppe der Kaffeekooperative in Maraba besucht und mit zweien ihrer Mitglieder über ihren Werdegang und ihre Entwicklung seit dem Verkaufsstart des von Frauen produzierten Kaffees “Angelique’s Finest” gesprochen.

Elaine M. ist 56 Jahre alt und alleinstehende Mutter zweier Kinder. Sie trat 2007 in die Kooperative in Maraba ein. Nathalie A. ist 54 Jahre alt, ebenfalls alleinstehend und hat drei Kinder. Seit 2003 ist sie Mitglied der Abishyizehamwe-Frauengruppe. Nathalie ist sehr engagiert und mobilisiert andere Frauen in ihrer Umgebung, ebenfalls in die Kooperative einzutreten. Fast jede Frau der Kooperative wurde über Nathalie rekrutiert. Sie organisiert Treffen mit interessierten Frauen, spricht mit diesen, erzählte ihnen von der Kooperative und zeigte sie ihnen. Nathalie war auch maßgeblich am Aufbau der zentralen Waschstation beteiligt, in der sie mit Elaine arbeitet. Sie sprach mit der Kooperative darüber, einen nahe gelegenen Ort einzurichten, an den die Kaffeebäuerinnen ihre Kaffeekirschen liefern könnten. 2005 wurde die Waschstation eingerichtet. 

Investitionsfreudige Unternehmerinnen

Der von ihnen produzierte Kaffee “Angelique’s Finest”  gibt den Frauen der Kooperative Freude und einen Sinn im Leben, so Elaine. Auch vorher verrichteten Frauen viele der Arbeiten im Kaffeeanbau, doch die Männer erhielten das Geld und trafen die Entscheidungen. Nun, da die Frauen ihr eigenes Geld verdienen, haben sie auch die Macht, Entscheidungen selbständig zu fällen. Dadurch steigt ihr Selbstbewusstsein. Das zeigt sich in den zahlreichen Ideen, die sie bezüglich ihrer Tätigkeiten entwickeln. Nathalie möchte beispielsweise mit ihrem Einkommen ein Haus bauen und dieses vermieten, um ein verlässliches Nebeneinkommen zu haben. Elaine möchte in den nächsten zwei Jahren einen Friseursalon eröffnen und Hochzeitskleidung verkaufen. Sie sagt, sie habe noch große Träume und möchte ein Geschäft aufbauen, das sie auch im Alter versorgt, wenn sie nicht länger auf dem Feld arbeiten kann. Ihre Investitionen betrachtet Elaine als Altersvorsorge. 

Nathalie und Elaine verraten uns, dass sie ihre Ideen und Träume schon lange in sich tragen, doch niemals umsetzen konnten. Das war für sie sehr entmutigend. Doch jetzt, wo sie dank “Angelique’s Finest” ein höheres Einkommen haben, arbeiten sie sich Schritt für Schritt vor und erfüllen sich einen Traum nach dem anderen. Nachdem sie begonnen haben ihren eigenen Kaffee aus Frauenhand zu verarbeiten, entwickelten sie immer mehr Ideen, wie sie ihr Einkommen gewinnbringend investieren können. Sie sagen, das Geld gebe ihnen Raum für Ideen. 

Investitionen für die Gemeinschaft und die Region

Auch die Kinder der Kaffeebäuerinnen von “Angelique’s Finest” profitieren vom Frauenkaffee. Sie können zur Schule gehen, da ihre Eltern die Schulgebühren und -materialien bezahlen können. Es bleibe sogar etwas Taschengeld für die Kinder übrig. Die Kinder merken, dass der Kaffee einen Wert hat und Einkommen bringt, was sie wiederum motiviert ihren Beitrag zu leisten. So haben sich die Mutter-Kind-Beziehungen deutlich verbessert, verrät Nathalie. Die Kaffeebäuerinnen sind für viele junge Menschen zu inspirierenden Vorbildern geworden. 

Während der Corona-Pandemie blieben die Schulen in Ruanda geschlossen. Die Frauen der Kooperative konnten ihren Kindern Smartphones kaufen, so dass sie von zu Hause aus weiter lernen konnten – in den ländlichen Regionen Ruandas ist das eher unüblich. 

Aufgrund des großen Zuwachses an Frauen in der Kooperative und angesichts der positiven Auswirkungen von “Angelique’s Finest” denken viele Männer darüber nach, ihren Frauen mehr Land bzw. mehr Kaffeesträucher zu geben. Der Mangel an Land ist ein großes Problem in Ruanda. Deswegen denken die Frauen wiederum darüber nach, mehr Land zu kaufen, um noch mehr Kaffee anbauen zu können. Sie beklagen sich über ihre Nachbarn, die statt Kaffee Bananenstauden und andere Pflanzen anbauen, die sich ihrer Meinung nach nicht wirklich auszahlen. 

Landschaft in Maraba, Ruanda

Finanzwissen

Wenn die Kaffeebäuerinnen ihre Kaffeekirschen zur zentralen Waschstation liefern, können sie selbst entscheiden, welches Bezahlmodell sie wählen möchten: Sie können ihre Bezahlung alle zwei Wochen, jeden Monat oder pro Saison erhalten. Wer sich für eine Bezahlung am Ende der Saison entscheidet, erhält einen Bonus. Die Bezahlung erfolgt über Bankkonten, die von der Kooperative eingerichtet werden, um die Kaffeebäuerinnen und -bauern mit dem Finanzsystem vertraut zu machen. Die Frauengruppe der Kooperative gründete zudem eine Spar- und Darlehensgemeinschaft, von der alle Mitglieder profitieren. 

Der Lohn der Kaffeebäuerinnen setzt sich aus drei Elementen zusammen: 

  1. der Kilogrammpreis für die Kaffeekirschen, die zur zentralen Waschstation geliefert werden,
  2. ein Transportentgelt für die Anlieferung zur zentralen Waschstation,
  3. eine Extraprämie, die am Ende der Saison ausgezahlt wird.

Gemeinschaft und Empowerment

Auf Ebene der Kooperative gibt es eine große Frauengruppe, deren Mitglieder sich einmal monatlich treffen. Darunter gibt es zahlreiche kleinere Frauengruppen, die sich öfter treffen und austauschen. Elaine ist ihrer Frauengruppe eng verbunden. Sie lehrt die anderen Mitglieder, wie sie Taschen aus Bananenblättern nähen können. Sie fühlt sich verantwortlich und versucht an allen Treffen der Gruppe teilzunehmen. 

Treffen einer Frauengruppe in Maraba

Nathalie und Elaine sind wie Schwestern: Sie unterstützen sich gegenseitig, ermutigen sich und geben einander Ratschläge. Es ist für sie beide sehr wichtig, sich in der Frauengruppe zu treffen. Es fühle sich ein bißchen an, wie gemeinsam auf eine Party zu gehen, so Nathalie. 

Innerhalb der Frauengruppe gebe es einige Regeln, verrät uns Elaine. So seien nicht aktive Mitglieder nicht willkommen, sagt sie augenzwinkernd. Die Frauen erhielten bereits einige Weiterbildungen und nahmen an verschiedenen Workshops teil, z.B. wie sie Kaffee zu Hause rösten. Die Frauen genießen es ihren eigenen Kaffee zu trinken und so zu erfahren, zu welchem Spitzenprodukt ihr Rohstoff verarbeitet wird. 

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