Impact Story: Emanzipation dank Angelique’s Finest

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Während unseres Treffens mit einer Frauengruppe in Koakaka, deren Mitglieder Kaffee für Angelique’s Finest anbauen, sprachen wir mit Marie-Luise und Eugenitin. Angelique’s Finest ist ein Kaffee, der komplett von Frauen produziert wird. Die Marke und die Produktion des Kaffees liegt in den Händen der Kaffeebäuerinnen. Mit Angelique’s Finest verdienen diese 55 Prozent mehr als im üblichen Handelsmodell. Wir nennen das Fairchain: Eine wirklich faire (und transparente) Wertschöpfungskette.

Eugenitin ist 42 Jahre alt und verheiratet. Sie hat drei Kinder und trat im Jahr 2006 in die Kaffeekooperative in Koakaka ein. Marie-Luise ist 56 Jahre alt, gelernte Buchhalterin, verheiratet und hat sechs Kinder sowie drei Enkelkinder. Sie wurde wie Eugenitin 2006 Mitglied der Kooperative. Beide Frauen wuchsen in Familien auf, die vom Kaffeeanbau lebten und heirateten Kaffeebauern. Ihre Ehemänner sind schon seit Gründung der Kooperative Mitglieder. 

Eugenitin und Marie-Luise sind stolz auf Angelique’s Finest, ihren Frauenkaffee, und ebenso stolz darauf Mitglied der Kooperative zu sein, weil sie nun die gleichen Rechte haben wie andere Mitglieder und beispielsweise an Wahlen teilnehmen können. Marie-Luise wurde schon vor einiger Zeit Sekretärin des Vorstands. Eugenitin freut sich über die Rechte und Vorteile, von denen sie als Mitglied der Kooperative profitiert. Sie war sehr stolz, als sie in die Kooperative aufgenommen wurde und das habe sie motiviert, noch härter zu arbeiten.  

Beide Frauen besitzen ihre Kaffeebäume gemeinsam mit ihren Ehemännern, doch mit dem Frauenkaffee Angelique’s Finest haben sie ihre eigenen Kaffeebäume bekommen. Eugenitin und ihr Ehemann besitzen 900 Kaffeebäume, von denen Eugenitin 250 allein besitzt. Marie-Luise besitzt mit ihrem Ehemann 712 Kaffeebäume und davon gehören beachtliche 512 ihr allein. Da ihr Ehemann als Lehrer arbeitet, bewirtschaftet sie im Wesentlichen den ganzen Bestand selbständig. 

Kaffeebäuerinnen in Koakaka, Ruanda

Die Vorteile finanzieller Unabhängigkeit

Eugenitin berichtet uns, dass sie dank ihres eigenen Einkommens nicht mehr auf ihren Ehemann warten müsse, um Probleme zu Hause zu lösen. Da sie nun ihr eigenes Geld verdiene, könne sie Herausforderungen selbständig begegnen. Das habe ihre Unabhängigkeit gestärkt, aber auch die Entscheidungsgewalt in der Familie. Das bestätigt auch Marie-Luise. Früher hätten die Männer den Frauen stets gesagt, wann sie mit der Ernte beginnen und was sie tun sollten. Und selbst wenn die Frauen die Kaffeekirschen in der zentralen Waschstation ablieferten, so wurde dies lediglich notiert und die Männer erhielten das Geld. Manchmal sei ihr Mann betrunken nach Hause gekommen und hatte das ganze Geld für Alkohol ausgegeben. Nun bekomme sie ihr eigenes Geld ausgezahlt und kann es sinnvoll in die Familie investieren. Das habe ihr eine Stimme, Unabhängigkeit und Kraft gegeben. Die Frauen fühlen sich jetzt viel besser, denn sie empfanden es als extrem unfair, wenn sie früher so viele Stunden auf dem Feld verbrachten und am Ende nicht entlohnt wurden. 

Empowerment auf allen Ebenen

Zuerst bekamen die Frauen ihr Geld in bar ausgezahlt, doch die Kooperative hat ihnen dabei geholfen Bankkonten einzurichten, um dort sicher sparen zu können, da manche Ehemänner ihre Frauen bezüglich des Geldes anlogen. Früher sagten die Männer zu den Frauen, sie hätten kein Recht nach Geld zu fragen, da ihnen weder das Land noch die Bäume gehörten. Jetzt, wo die Frauen ihr Geld selbstständig verwalten, können sie es in Vieh oder neue Kaffeebäume investieren. Eugenitin arbeitet in der Nebensaison zudem als Schneiderin. Andere Frauen haben ein kleines Geschäft oder bauen Getreide an. Die wenigsten von ihnen verlassen sich auf nur eine Einnahmequelle.

Kaffeebäuerin in Ruanda mit Schwein

Über die Kooperative erhalten die Frauen zudem Weiterbildungen zu Anbaumethoden. Jetzt wissen sie, wann die Kaffeekirschen reif sind und geerntet werden müssen. Die Frauen gelten nun als diejenigen, die über die Kirschen bestimmen, weil sie am Besten darüber informiert sind. 

Eugenitin und Marie-Luise finden kaum die passenden Worte um ihre Gefühle für Angelique’s Finest auszudrücken. In den ländlichen Gebieten sei es sehr schwer Seife zu finden oder Menschen, die sich regelmäßig duschen. Jetzt, so berichten sie uns stolz, sehen sie sauber aus und tragen gewaschene Kleidung. Für die Frauen sei es sehr wichtig, sich sauber und gesund zu halten. Wenn sie sich treffen, sprechen sie als erstes über den Frauenkaffee und den Wert, den er in ihr Leben gebracht hat. Vieles habe sich verändert: Die Menschen nutzen nun den Namen der Frauen, wenn sie von ihren Kaffeebäumen sprechen, z.B. Luises Feld und nicht Davids Feld (Luises Ehemann). Es sei ein sehr wichtiger Punkt, dass die Bäume in ihrem Besitz sind. Die Frauen sind sehr stolz auf sich und die Kinder sind stolz auf ihre Mütter. 

Was uns die Frauen noch verraten: Traditionell schlafen die Menschen in Ruanda nicht auf Matratzen, sondern auf Bananenblättern und einer Matte (die weder gesund, noch frei von Insekten sei). Doch dank ihres erhöhten Einkommens durch Angelique’s Finest sorgt die Gruppe dafür, dass jede Frau eine Matratze bekommt. Der Zusammenhalt unter den Frauen ist groß, das spüren wir. Sie gehen auch in ihre Gemeinden und leisten dort Aufklärungsarbeit. Sie erzählen jenen, die noch nicht Mitglied der Kooperative sind, welche Vorteile die Frauengruppen mit sich bringen und wie sie der Kooperative beitreten können. Die Frauen möchten, dass noch mehr Menschen in die Kooperative eintreten und dass ihre Nachbar*innen ebenfalls ein besseres Leben haben. 

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